Vaters Betrieb von 1914 bis 1945 Meine Kindheit und berufliche Entwicklung Die letzten Kriegstage Die Zeit nach dem Kriege
Der Beginn der Planwirtschaft In der LPG von 1959 bis 1990 Die Landwirtschaft nach der Wende Die Pflanzenproduktion
Die Tierproduktion Hochwasserprobleme in der Tierproduktion

 

Einleitung

Wenn wir im Jahre 6 nach der Wende im Kreis von Freunden und Kollegen die sich im Rentenalter befinden beim Früh- oder Dämmerschoppen zusammensitzen, bezieht sich die Unterhaltung häufig auf die Kindheit mit ihren Ereignissen und Erinnerungen. Vieles was schon fast vergessen war wird wieder aufgefrischt und man erkennt immer wieder, wie anders doch unsere Kindheit gegenüber der unserer Enkel war.

Während wir unsere Kindheit überwiegend mit Spielen in der Natur verbrachten, viele dieser Spiele kennt man heute schon gar nicht mehr, interessieren sich die Kinder heute doch fast nur für den Fernseher oder elektronisches Spielzeug.

 

Während meine Eltern noch in Holzpantoffeln zur Schule gingen, durfte  ich wenigstens schon im Winter die abgetragenen Stiefeln und die für ihn zu klein gewordenen Sachen zur Schule anziehen. Und wie sieht dieses heute aus?

 

Wenn heute schon vieles für die Kinder und Enkel nur noch graue Vergangenheit ist, wie wird es dann später den Urenkeln und weiteren Nachkommen erscheinen?

 

Durch diese Gegensätzlichkeit wurde ich angeregt, durch Auswertung noch vorhandener Unterlagen und Festhalten alter Erinnerungen in den "Friedrichstädter Geschichten" die Entwicklung unserer Familie aufzuzeigen.

 

Diese Ausführungen sind mit zahlreichen Kopien und Fotografien versehen. Diese sind zum Teil schon über 100 Jahre alt und der Zahn der Zeit hat an ihnen genagt. Ebenso haben bei verschiedenen alten DIA-Positiven die Farben und die Filmschicht gelitten. Da sie aber doch eine historische Aussagekraft haben, wollte ich auf ihre Darstellung nicht verzichten.

 

Jede der Geschichten ist in sich abgeschlossen, doch kommt es in den Geschichten untereinander zu Überschneidungen bzw. Wiederholungen.

Einige sind reine Bildersammlungen.

 

Weiteres Bild- und Aktenmaterial befindet sich im Familienarchiv.

 

Diese Aufzeichnungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sonder sollen nur zeigen wie ich als "Otto Normalverbraucher" gesehen und erlebt habe.

 

Nach Erzählungen meines Großvaters August Präger wohnten unsere Vorfahren bis 1813 in der Mauerstraße. Während der Belagerung soll eine Großmutter in der Wohnung durch eine Kanonenkugel getötet worden sein. Einem kleinen Kind, welches sie auf dem Schoß hatte soll nichts passiert sein. Wenn diese Überlieferung stimmt, könnte es sich bei dem Kind um die Nummer 8 in der Ahnentafel, dem Christian Andreas Präger handeln. Dessen Vater, die Nr.16 der Ahnentafel, war mit Napoleons Truppen nach Moskau gezogen und kam schwer krank aus Russland zurück und verstarb kurze Zeit später am 19.4.1814.

Wie weit das Haus der Prägers durch den Krieg in Mitleidenschaft gezogen wurde ist mir nicht bekannt, doch wurde mit dem Aufbau Friedrichstadts das Haus in der Charlottenstraße mit der Brandkatasternummer 78  ( rechts der Gaststätte  ĄZwei LindenĄ Prägers neue Heimat.)

 

 

Während der Belagerung Wittenbergs 1813 wurde die Stadt schwer zerstört. Nach Be­endi­gung des Krieges entwickelten sich die Vororte Schlossvorstadt, Friedrichstadt und die Elster­vorstadt, auch Knüppelsdorf genannt.

In allen drei Vorstätten war die Landwirtschaft in verschiedenen Formen dominierend. Da un­sere Familie schon immer landwirtschaftlich orientiert war, sollen die folgenden Be­trachtungen vor­rangig über die Landwirtschaft berichten..

Im Gebiet der Schlossvorstadt finden wir überwiegend humose Böden die sich sehr gut für den Gemüseanbau eignen. Dieses Gebiet erstreckt sich nordwestlich der Altstadt von Klein­witten­berg bis zur B2.

Östlich vom Elstertor begann die Elstervorstadt, oder auch die "Schatzung vor dem Elster­thore" genannt. Sie erstreckte sich vom Elstertor bis zur Wiesigker Grenze in der Nähe des "Luthersbrunnen".

Die nördliche Begrenzung zog sich von der heutigen Friedrichstadt bis zur Gemeinde Labetz.

Die Grenze zur Friedrichstadt bildete die frühere Kleine Friedrichstraße. Etwa 1840 wurde durch den Bau der Eisenbahnlinie Berlin-Köthen und 1875 mit dem Bau des neuen Bahnhofs und der neuen Streckenführung der nördliche Teil der Elstervorstadt abgetrennt.

Heute betrachten wir als Friedrichstadt das Gebiet östlich der B2, welches im Süden von der Eisenbahn und im Norden von der Lerchenbergsiedlung begrenzt wird.

Die Besiedlung Friedrichstadts begann nach 1815 als für die während des Krieges zerstörten Häuser Ersatz geschaffen werden musste.

Sie wurde auf dem Gebiet der wüsten Mark Bruder - Annendorf erbaut. Die Herkunft dieser Bezeichnung ist nicht geklärt, und es können nur Vermutungen angestellt werden.

Sie ist in einer amtlichen Bekanntmachung des Wittenberger Kreisblatts von 1859 angegeben.

 

Da in Schriften über das Neue Jungfernwasser  als dessen Ursprungsgebiet die Quellen in der Mark Bruder-Annendorf  angegeben sind, kann man annehmen, dass die wüste Mark sich von der heutigen B2 zwischen den Grenzen von Trajuhn und der Elstervorstadt bis zur Labetzer Grenze erstreckte. Karten darüber sind bisher leider nicht auffindbar.

Der etwas seltsame Name Bruder-Annendorf kann einen religiösen Hintergrund haben. Vielleicht gab es hier früher mal eine kirchliche Stätte die irgendwann nach dem Tode eines frommen Bruders, mit Namens Annendorf, zerfiel.

  

Woher kommt die Bezeichnung "der Sieb" ?

 

 

 Der Geländestreifen östlich der alten Friedrichstadt zwischen der Annendorfer Straße und der "Jagdschanze" (unterhalb der heutigen Dr. Behring Straße) wurde früher als der Sieb bezeichnet. Der Ackerboden bestand vorwiegend aus groben Kies, durch den das Regenwasser wie durch ein Sieb in den Untergrund verschwand.

 

Auf dem Sieb waren die Ackerflächen oberhalb des Weges nur ganz minderwertige Kiesböden. In den Trockenjahren 1946 und 47 ernteten wir hier nur etwa 3,20 dz/ha Roggen. Deshalb richteten wir hier unsere Kiesgrube ein.

 

Aus diesem Grunde entstanden im Laufe der Jahrzehnte eine ganze Anzahl Kiesgruben an die ich mich heute noch erinnere.

 



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